Roggen Ernte
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ERNTE DES ROGGENFELDES 2011 war am 25. Juli
mit einem Kleinmähdrescher der
Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der HU
AUSSAAT DES ROGGENFELDES 2012 ist zwischen 26. +
28. September 2011
Seit sechs
Jahren wird auf dem Gelände der Kapelle der Versöhnung, im Bereich
der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße Roggen
angebaut. In diesem Jahr stehen wieder etwa 0,2 ha. Zehntausende Besucher sind
auch im vergangenen Jahr durch das wogende Feld im Todesstreifen der Berliner
Mauer geschritten, der Bundespräsident hatte zu Erntedank 2009 bei der
Aussaat symbolisch mit Hand angelegt.
Nach dem weiteren Ausbau der
Gedenkstätte an der Bernauer Straße, wird zum 50. Jahrestag des Baus
der Berliner Mauer (2011) das Roggenfeldfeld um die Kapelle der Versöhnung
Teil dieser Erweiterung und der Gestaltung sein, eine Metapher für die
Kultivierung des Geländes des Todesstreifens und seiner Aneignung durch
die Versöhnungsgemeinde seit 1989.
Viele Besucher lassen sich von
diesem symbolträchtigen Zeichen ein Roggenfeld im Zentrum Berlins anregen,
das Getreidefeld ein Zeichen für die Überwindung der Vergangenheit,
"Rückkehr des Lebens in die Zone des Todes". Manchem Besucher erscheint
die Situation fast zu friedlich und harmonisch. Aber nach der Ernte, Ende Juli
und jeweils kurz vor dem 13. August, dem Jahrestag des Baus der Berliner Mauer,
zeigt das abgeerntete Feld die "leere Wüste" der Jahre, als hier noch der
Todesstreifen und die Mauer brachial, über Häuser, Friedhöfe,
Kirchen und das Leben der Menschen gezogen war. Das Getreide reift, es wird
geerntet und danach wird das Feld wieder neu bestellt.
Das ist der ewige
und für uns Menschen lebensnotwendige Kreislauf von Säen, Werden und
Vergehen. Die Ernte ist ein Höhepunkt.
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Die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der
Humboldt-Universität zu Berlin
unterstützt das Projekt der
Versöhnungsgemeinde
Landbewirtschaftung gehört zu den
edelsten und notwendigsten Aufgaben der Menschheit. Die nachhaltige Nutzung und
der Schutz dieser einzigartigen Ressource sollte oberstes Gebot in allen
Ländern dieser Erde sein. Trotz Globalisierung produziert Deutschland den
größten Teil seiner Nahrungsmittel selbst, die seit 1800
exponentiell angestiegene Bevölkerung leidet nicht an Hunger. Ausreichend
Nahrungsmittel stehen zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung. Möglich
ist das geworden durch Wissenszuwachs und industrielle Entwicklung. Auch
staatliche Subventionen für die Landwirtschaft sichern heute den für
die Bevölkerung so günstigen Zustand. Und dabei ist die Erzeugung von
Nahrungsmitteln nur ein Aspekt der Landbewirtschaftung.
Vor 200 Jahren
begann in Möglin bei Bad Freienwalde mit der Gründung einer
Landwirtschaftlichen Akademischen Lehranstalt durch Albrecht Daniel Thaer eine
beispielslose Entwicklung der Agrarwirtschaft. Die vor 125 Jahren in Berlin
gegründete Landwirtschaftliche Hochschule (seit 1934
Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der
Humboldt-Universität zu Berlin) ist dem Thaer'schen Erbe verpflichtet und
leistet trotz extremer Mittelkürzungen heute und zukünftig wichtige
Beiträge in Lehre und Forschung.
Die Kreisläufe der Natur zu
erforschen, sie für uns immer besser nutzbar zu machen ohne den Ressourcen
zu schaden, ist ein Grundanliegen der landwirtschaftlichen Hochschulbildung.
Dazu bedarf es mehmaterieller Mittel als in vielen geisteswissenschaftlichen
Disziplinen. Versuchsstationen und Versuchsbetriebe sind vonnöten.
Den
Menschen in großen Ballungsräumen, die häufig keine Beziehung
mehr zur landwirtschaftlichen Primärproduktion haben, muss die
existenzielle Bedeutung immer wieder nahegebracht werden. Das kleine Feld
mitten in Berlin an der Bernauer Straße kann niemanden satt machen, doch
es zeigt Werden und Vergehen während des Jahres, beschreibt die Mühen
des Menschen, um im Einklang mit der Natur sein wichtigstes lebensnotwendiges
Bedürfnis befriedigen zu können. "Brot fällt nicht vom Himmel"
ist der Titel eines Kinderbuches von Helga Meyer aus den 80er Jahren und die
von Herrn Spengler symbolisch gearbeitete Riesenschrippe hat ihren Ursprung
auch nicht in den Kühlräumen industrieller Bäckereien.
Deshalb unterstützt die Landwirtschaftlich-Gärtnerische
Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin das Kunstprojekt "Ein
Roggenfeld" damit diese Zusammenhänge den Bürgern dieser Stadt und
dieses Landes immer gegenwärtig bleiben.
Zum Download der INFORMATION als pdf-Datei
| Die Saat geht auf! Roggenbau auf ehemaligem Todesstreifen |
Der Roggen
Als Jesus seinen Jüngern das "Vaterunser" mit der Bitte . .
."unser täglich Brot gib uns heute. . ." auf den Weg gab, ist nicht nur
das Brot aus Getreide und schon gar nicht nur das aus Roggen gemeint worden.
Trotzdem steht das Brot hier für ausreichende Ernährung an Laib und
Seele.
Tatsächlich ernährten sich die Menschen zu allen Zeiten
und insbesondere in Kleinasien überwiegend von Körnerfrüchten.
Reis, Weizen und Mais sind heute die in der Welt verbreitetsten
Körnerfrüchte. Der Roggen ist ein Spezifikum Mitteleuropas. Erst mit
der Völkerwanderung kam der Roggen, in seiner Ursprungsregion Kleinasien
als grasartiges Unkraut in Weizenbeständen bekannt, nach Europa.
Die
Slawen brachten ihn nach Mitteleuropa und bereits im 12. und 13. Jahrhundert
war er Hauptbrotfrucht besonders der Landbevölkerung in den ostelbischen
Gebieten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Pflanze durch Mutationen und
gezielte Auslese bereits stark verändert. Auch heute wird diese
Kulturpflanze mit großem Erfolg weiter gezüchtet. Derzeit werden in
Deutschland mehr als eine halbe Million Hektar angebaut. Über 30 % davon
stehen auf den sandigen Böden Brandenburgs.
Der Roggen ist heute in
der Lage, auch unter diesen harten Bedingungen mehr als 6 t/ha und unter
günstigen Umständen sogar wesentlich höhere Erträge zu
bilden. Dafür müssen aber alle Möglichkeiten der
Bestandesführung, der Düngung und des Pflanzenschutzes
ausgeschöpft werden. Roggen bildet unter den entsprechenden Bedingungen
ein tiefreichendes Wurzelsystem, mit dem er Wasser und Nährstoffe gut
ausnutzen kann.
Insbesondere Roggen, der fast ausschließlich in der
Winterform angebaut wird, hat unter den Getreidearten die größte
Bestockungsfähigkeit. Das bedeutet, aus einem Saatkorn können sich
viele Halme und Ähren entwickeln. Bei einer einzeln stehenden Pflanze
können das durchaus 15-20 sein, im geschlossenen Bestand sind es wegen der
Konkurrenz der Pflanzen untereinander wesentlich weniger, im Allgemeinen 3 bis
5. Winterroggen wird in Mitteldeutschland in der zweiten Septemberhälfte
gesät und geht nach der Anlage von Bestockungstrieben in den Winter. Er
ist in der Lage, auch Fröste unter -20°C zu überstehen und
beginnt schon im zeitigen Frühjahr intensiv zu wachsen.
Ende Mai weht
bei entsprechenden Witterungsbedingungen zum Leidwesen der Allergiker der
Blütenstaub über die Felder und fängt sich auf den weiblichen
Blütenorganen, aus denen sich dann die Frucht entwickelt. Verzögert
sich der Befruchtungsvorgang wegen ungünstiger Witterungsbedingungen,
können Sporen eines Pilzes den Fruchtknoten befallen und statt des Korns
entwickelt sich ein sogenanntes Sclerotium, welches wir als "Mutterkorn"
kennen. Die hochgiftigen dunkelviolett gefärbten Körper kann man sehr
deutlich in den Roggenähren sehen. Da sie wesentlich größer als
die Roggenkörner sind, lassen sie sich aus dem geernteten Getreide gut
entfernen. Im Mittelalter sind diese Teile häufig in das Mehl gelangt und
in "Mutterkornjahren" kam es zu vielen Vergiftungen.
Im Juli wird Roggen geerntet. Vor 50
Jahren erfolgte das noch in zwei Phasen. Zuerst wurde das Getreide geschnitten
und in Garben gebunden auf dem Feld zum Trocknen aufgestellt. Erst danach,
manchmal auch nach Zwischenlagerung in Scheunen bis in den Winter, wurde das
Korn ausgedroschen. Heute wird ausschließlich mit einem Mähdrescher
aus dem Stand heraus gedroschen. Die Pflanze lagert im Korn viel Stärke
ein, um den jungen Keimling, der ebenfalls schon im Korn angelegt ist, in der
Jugendentwicklung zu versorgen. Der Mensch nutzt diese Stärke, die um 60 %
des Kornes ausmacht, für seine Zwecke. Nicht nur Brot wird daraus
gebacken.
Auch für die Tierernährung wird Roggen eingesetzt.
Zunehmend spielt die energetische Nutzung eine Rolle. In Brandenburg wird
bereits ein Drittel der Roggenernte zur Bioalkoholproduktion verwendet und der
wiederum gelangt zu großen Teilen in die unersättlichen Tanks
unserer Kraftfahrzeuge. Das Verbrennen des Roggens zur Wärmegewinnung ist
bei heutigen Energiepreisen ebenfalls eine Möglichkeit.
In Anbetracht
des Welthungers stößt diese Verwendung jedoch auf ethisch
begründete Widerstände.
Vielleicht müssen wir uns
irgendwann entscheiden, ob wir essen oder lieber Auto fahren wollen.