Gedenkstätte BERLINER MAUER
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Die Bernauer Straße ist der Kristallisationspunkt zum Mythos Berliner Mauer, den Touristen heute in der Stadt suchen.
Diese Mauer um West-Berlin hatte
bei ihrer Vollendung eine Länge von 156,4 km, davon 64 km durch
bebautes Gebiet, 32 km durch Wald, 23 km durch Felder / landwirtschaftliche
Flächen, 38 km durch Wasser. Der innerstädtische Abschnitt
der Grenzanlagen 44 km, zwischen dem früheren West- und Ost-Berlin,
umfaßte 25% der 156 km langen Grenzanlagen um Westberlin, das
entspricht 330 Hektar, (3.300.000 m²), oder das 1 ½-fache des
Fürstentums Monaco. Eine an der Bernauer Straße 30 bis 50 m, an
anderen Stellen, im Ausbauzustand 1989, bis zu 250 m tiefe Grenzanlage entstand
im Lauf der Jahre. (Vortrag, Dr. Günter Schlusche,
"Leitgedanken des Ausstellungs- und Gestaltungskonzepts für die
Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer",
auf der Tagung
"Erhaltungsstrategien für die Berliner Mauer - Status - Beispiele -
Konzepte", am 25.02.2010)
In Berlin ließen die
Kommunisten eine Schneise in die Innenstadt schlagen, Bewohner wegschaffen,
Häuser zumauern und dann abreißen, legten den Todesstreifen
über Friedhöfe und sprengten 1985 um die "Sicherheit, Ordnung und
Sauberkeit an der Staatsgrenze zu erhöhen" die wilhelminische
Versöhnungskirche, keine fünf Jahre später, 1989 fiel die
Mauer.
In die Stadtwunde Bernauer
Straße sind zahllose Relikte des DDR-Grenzregimes eingewachsen, an ihr
haften dramatische Erinnerungsbilder. Bilder der Freude über die
Öffnung der Mauer, Bilder eines seine Funktion verlierenden Bauwerks, den
Graffittis und auf der Mauerkrone tanzender Menschen, sie verkörpern alle
die Westsicht und den Umgang mit der Mauer "auf dieser Seite".
Diese Bilder
werden nur verständlich, wenn der eigentliche Zweck der Mauer, der nicht
nach Westen, sondern nach Osten, gegen die Bevölkerung der DDR gerichtet
war, die durch das tief gestaffelte und kaum überschaubare Grenzsystem,
physisch und psychisch eingeschüchtert und faktisch eingesperrt war, als
eigentlicher Wissenshintergrund vermittelt wird.
Der gestürzte
SED-Staat hatte in seiner vier Jahrzehnte währenden Herrschaft vielen
Menschen ihre Freiheit genommen, ihre Gesundheit zerstört und etliche um
ihr Leben gebracht. Initiativen zur Begleitung dieser Opfer der Kommunistischen
Gewaltherrschaft waren mit dem Fall der Mauer stärker in die
öffententliche Wahrnehmung gelangt, die Sicherung der Spuren dieser
Geschichte wurde von wenigen schon 1989 als Aufgabe erkannt, in dem
Zusammenhang von Spurensicherung und Opferinitiativen liegt auch der
Ursprung der Gedenkstätte an der Bernauer Straße.
Während die meisten 1990
allseits bemüht war, die Spuren der Teilung möglichst schnell zu
beseitigen, stellte sich die Versöhnungsgemeinde die Frage nach einem
angemessenen Umgang mit "ihrem Ort" und "seiner Geschichte".
Im Umfeld der
Versöhnungsgemeinde war schon in den Monaten vor Juni 1990, eine
Initiative aus Anwohnern, Kirchenmitgliedern und Denkmalpflegern (aus beiden
Seiten der Stadt) entstanden, die mit einem Abschnitt der Mauer auch die
Erinnerung an die Gewaltherrschaft der SED bewahren wollte.
In einer
Presseerklärung der Initiative zum 13. August 1990 hieß es:
"
Soll eine komplette Grenzanlage auf einer Länge von ca. 500 Metern
mit Mauer und Hinterlandmauer erhalten bleiben. Sie soll als Gedenkstätte
an die Opfer der Grenze erinnern, als Mahnmal zum Nachdenken anregen, welche
Folgen es hat, wenn Grenzen mit Gewalt aufrechterhalten werden, als Museum
Entstehung, Existenz und Ende der Grenze dokumentieren.
"
Unterdessen entwickelte sich die Bürgerinitiativ entstandene
Gruppe weiter zu einem eingetragenen Verein "Berliner Mauer:
Gedenkstätte und Dokumentationszentrum e.V.".
Die Geschichte der Mauer hörte
nicht mit ihrem Fall 1989 und auch nicht mit Ihrem Abriß 1990/91
auf.
(Der offizielle ABRISS der Berliner Mauer begann am 13. Juni 1990
an der Ackerstrasse.)
Nicht nur der authentischer Zustand von 1989,
sondern auch die Überwindung des Grenzregimes und die physische
Zerstörung durch die "Mauerspechte", der Abriß der Mauer und die
kontroversen Auseinandersetzungen darüber, sind Teil dieser Geschichte.
99% des "Antifaschistischen Schutzwalls" sind erst nach 1989/90 geschleift
worden. 1989 galt die Parole: "die Mauer muß weg!", eine
Kernforderung der Freiheitsbewegung in Berlin - auf beiden Seiten. Was
Erinnerungswert in einem wiedervereinigten Berlin als Hauptstadt eines
vereinigten Deutschland, in einer um osteuropäische Staaten erweiterten
Europäischen Union haben würde, konnten sich 1990 nur Wenige
vorstellen.
Im Laufe der Jahre 1990 bis 1992,
zunächst noch unter Leitung des Ostberliner Instituts für
Denkmalpflege, wurden insgesamt sieben ehemalige Mauerabschnitte und andere
Sperren unter Schutz gestellt. Am 2. Oktober 1990, dem Vorabend der
deutschen Einheit, erklärte der Magistrat von Ost-Berlin den noch
erhaltenen 212 Meter langen Grenzabschnitt an der Bernauer Straße,
zwischen Acker und Bergstraße, zum gesetzlich geschützten Denkmal.
Immerhin gelang es damit den wilden Abriss auf dem für das Denkmal
vorgesehenen Grenzabschnitt in der Bernauer Straße zu verhindern.
Die
heute im Bild der Stadt fast gänzlich verschwundene Berliner Mauer ist das
weltweit berühmteste Bauwerk der DDR, wahrscheinlich bekannter, als die
meisten baulichen Anlagen, die auf der Unesco-Welterbeliste der Menschheit
stehen. Die authentischen Reste und Spuren der Grenzanlagen sind heute das
bedeutendste Exponat der Gedenkstätte.
Leitendes Motiv der
Spurensicherung an der Gedenkstätte Berliner Mauer ist die
Rückbindung der historischen Ereignisse an den authentischen Ort.
Die Gedenkstätte dient der Erforschung und Dokumentation der Geschichte
von Teilung, kommunistischer Gewaltherrschaft und der friedlichen Revolution.
Mit der Fertigstellung der geplanten Erweiterung bis 2011/ 2012, wird ein
einzigartiger Ort der Erinnerung geschaffen, an dem Geschichte für
Besucher erlebbar wird.
In der Bernauer Strasse entstand so
in den letzten Jahren ein
Ensemble zur Dokumentation und Erinnerung an die Berliner Mauer:
Die Gedenkstätte Berliner Mauer. Die Gesamtanlage zwischen dem
Nordbahnhof und dem Mauerpark besteht aus dem:
Kernbereich 1,
zwischen Nordbahnhof und Strelitzerstrasse, dem Kernbereich 2,
zwischen Strelitzer- und Brunnen Strasse, sowie dem Erweiterten
Breich, zwischen Brunnen Strasse und Mauerpark.
Im Kernbereich
1 der Gedenkstätte
Berliner Mauer liegen das am 13. August 1998 eingeweihte
Denkmal (Ecke Bernauer
Strasse/Ackerstrasse), es vermittelt als einziger Ort in Berlin noch eine
Anschauung von den Grenzanlagen, mit Vorderlandmauer, Kiesstreifen,
Kolonnenweg, Lichttrasse und Hinterlandmauer.
Die Kapelle der
Versöhnung am Ort der 1985 von den DDR-Grenztruppen gesprengten
Versöhnungskirche, sowie das Dokumentationszentrum
zur Geschichte der Berliner Mauer in der
Bernauer Strasse 111, dem ehemaligen Gemeindehaus der Versöhnungsgemeinde
und das zum 20. Jahrestag des Mauerfalls 1999 eingeweihte neue Besucherzentrum
an der Bernauerstr. 119 (Ecke Gartenstr.), mit zentraler Information zur
Gedenkstätte und Berliner Mauerorten, Grundinformationen zur Berliner
Mauer, Informationsfilm, Seminarräumen, Buchstand.
Außerdem kann
hierzu die Ausstellung Geisterbahnhöfe,
zur Geschichte der unterirdischen Trennung der Verkehrssysteme der Stadt, im
Eingangsbereich des S-Bahnhof Nordbahnhof (Eingang Gartenstr.)
gezählt werden. Diese verschiedenen Orte, sind durch die originalen Reste
der Berliner Mauer thematisch miteinander verbunden und bieten in jeweils
eigener Form einen Zugang zur historischen Erfahrung der Mauer und ihrer
Folgen.
Dokumentationszentrum / Besucherzentrum: April-Oktober Di.- So.
10-18 Uhr; November-März Di.- So. 10-17 Uhr; Eintritt frei
Außengelände durchgehend geöffnet, Führungen
kostpflichtig in (dt., engl., franz., ital., portug., span.) nach Anmeldung,
Tel. 030 - 464 10 30