Gedenkstätte BERLINER MAUER

Ackerstrasse Ostseite 1989 Mauer vor dem Sophienfriedhof 1981 Bürgerbewegung im ehem. Todestreifen, auf dem Gebiet der Gedenkstätte 1990

Die Bernauer Straße ist der Kristallisationspunkt zum Mythos Berliner Mauer, den Touristen heute in der Stadt suchen.

Diese Mauer um West-Berlin hatte bei ihrer Vollendung eine Länge von 156,4 km, davon 64 km durch bebautes Gebiet, 32 km durch Wald, 23 km durch Felder / landwirtschaftliche Flächen, 38 km durch Wasser. Der innerstädtische Abschnitt der Grenzanlagen 44 km, zwischen dem früheren West- und Ost-Berlin, umfaßte 25% der 156 km langen Grenzanlagen um Westberlin, das entspricht 330 Hektar, (3.300.000 m²), oder das 1 ½-fache des Fürstentums Monaco. Eine an der Bernauer Straße 30 bis 50 m, an anderen Stellen, im Ausbauzustand 1989, bis zu 250 m tiefe Grenzanlage entstand im Lauf der Jahre. (Vortrag, Dr. Günter Schlusche, "Leitgedanken des Ausstellungs- und Gestaltungskonzepts für die Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer",
auf der Tagung "Erhaltungsstrategien für die Berliner Mauer - Status - Beispiele - Konzepte", am 25.02.2010)


In Berlin ließen die Kommunisten eine Schneise in die Innenstadt schlagen, Bewohner wegschaffen, Häuser zumauern und dann abreißen, legten den Todesstreifen über Friedhöfe und sprengten 1985 um die "Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit an der Staatsgrenze zu erhöhen" die wilhelminische Versöhnungskirche, keine fünf Jahre später, 1989 fiel die Mauer.

In die Stadtwunde Bernauer Straße sind zahllose Relikte des DDR-Grenzregimes eingewachsen, an ihr haften dramatische Erinnerungsbilder. Bilder der Freude über die Öffnung der Mauer, Bilder eines seine Funktion verlierenden Bauwerks, den Graffittis und auf der Mauerkrone tanzender Menschen, sie verkörpern alle die Westsicht und den Umgang mit der Mauer "auf dieser Seite".
Diese Bilder werden nur verständlich, wenn der eigentliche Zweck der Mauer, der nicht nach Westen, sondern nach Osten, gegen die Bevölkerung der DDR gerichtet war, die durch das tief gestaffelte und kaum überschaubare Grenzsystem, physisch und psychisch eingeschüchtert und faktisch eingesperrt war, als eigentlicher Wissenshintergrund vermittelt wird.

Der gestürzte SED-Staat hatte in seiner vier Jahrzehnte währenden Herrschaft vielen Menschen ihre Freiheit genommen, ihre Gesundheit zerstört und etliche um ihr Leben gebracht. Initiativen zur Begleitung dieser Opfer der Kommunistischen Gewaltherrschaft waren mit dem Fall der Mauer stärker in die öffententliche Wahrnehmung gelangt, die Sicherung der Spuren dieser Geschichte wurde von wenigen schon 1989 als Aufgabe erkannt, in dem Zusammenhang von Spurensicherung und Opferinitiativen liegt auch der Ursprung der Gedenkstätte an der Bernauer Straße.

Während die meisten 1990 allseits bemüht war, die Spuren der Teilung möglichst schnell zu beseitigen, stellte sich die Versöhnungsgemeinde die Frage nach einem angemessenen Umgang mit "ihrem Ort" und "seiner Geschichte".
Im Umfeld der Versöhnungsgemeinde war schon in den Monaten vor Juni 1990, eine Initiative aus Anwohnern, Kirchenmitgliedern und Denkmalpflegern (aus beiden Seiten der Stadt) entstanden, die mit einem Abschnitt der Mauer auch die Erinnerung an die Gewaltherrschaft der SED bewahren wollte.
In einer Presseerklärung der Initiative zum 13. August 1990 hieß es: "… Soll eine komplette Grenzanlage auf einer Länge von ca. 500 Metern mit Mauer und Hinterlandmauer erhalten bleiben. Sie soll als Gedenkstätte an die Opfer der Grenze erinnern, als Mahnmal zum Nachdenken anregen, welche Folgen es hat, wenn Grenzen mit Gewalt aufrechterhalten werden, als Museum Entstehung, Existenz und Ende der Grenze dokumentieren. "
Unterdessen entwickelte sich die Bürgerinitiativ entstandene Gruppe weiter zu einem eingetragenen Verein "Berliner Mauer: Gedenkstätte und Dokumentationszentrum e.V.".

Die Geschichte der Mauer hörte nicht mit ihrem Fall 1989 und auch nicht mit Ihrem Abriß 1990/91 auf.
(Der offizielle ABRISS der Berliner Mauer begann am 13. Juni 1990 an der Ackerstrasse.)
Nicht nur der authentischer Zustand von 1989, sondern auch die Überwindung des Grenzregimes und die physische Zerstörung durch die "Mauerspechte", der Abriß der Mauer und die kontroversen Auseinandersetzungen darüber, sind Teil dieser Geschichte. 99% des "Antifaschistischen Schutzwalls" sind erst nach 1989/90 geschleift worden. 1989 galt die Parole: "die Mauer muß weg!", eine Kernforderung der Freiheitsbewegung in Berlin - auf beiden Seiten. Was Erinnerungswert in einem wiedervereinigten Berlin als Hauptstadt eines vereinigten Deutschland, in einer um osteuropäische Staaten erweiterten Europäischen Union haben würde, konnten sich 1990 nur Wenige vorstellen.

Im Laufe der Jahre 1990 bis 1992, zunächst noch unter Leitung des Ostberliner Instituts für Denkmalpflege, wurden insgesamt sieben ehemalige Mauerabschnitte und andere Sperren unter Schutz gestellt. Am 2. Oktober 1990, dem Vorabend der deutschen Einheit, erklärte der Magistrat von Ost-Berlin den noch erhaltenen 212 Meter langen Grenzabschnitt an der Bernauer Straße, zwischen Acker und Bergstraße, zum gesetzlich geschützten Denkmal. Immerhin gelang es damit den wilden Abriss auf dem für das Denkmal vorgesehenen Grenzabschnitt in der Bernauer Straße zu verhindern.
Die heute im Bild der Stadt fast gänzlich verschwundene Berliner Mauer ist das weltweit berühmteste Bauwerk der DDR, wahrscheinlich bekannter, als die meisten baulichen Anlagen, die auf der Unesco-Welterbeliste der Menschheit stehen. Die authentischen Reste und Spuren der Grenzanlagen sind heute das bedeutendste Exponat der Gedenkstätte.
Leitendes Motiv der Spurensicherung an der Gedenkstätte Berliner Mauer ist die Rückbindung der historischen Ereignisse an den authentischen Ort. Die Gedenkstätte dient der Erforschung und Dokumentation der Geschichte von Teilung, kommunistischer Gewaltherrschaft und der friedlichen Revolution. Mit der Fertigstellung der geplanten Erweiterung bis 2011/ 2012, wird ein einzigartiger Ort der Erinnerung geschaffen, an dem Geschichte für Besucher erlebbar wird.

In der Bernauer Strasse entstand so in den letzten Jahren ein Ensemble zur Dokumentation und Erinnerung an die Berliner Mauer:
Die Gedenkstätte Berliner Mauer. Die Gesamtanlage zwischen dem Nordbahnhof und dem Mauerpark besteht aus dem:
Kernbereich 1, zwischen Nordbahnhof und Strelitzerstrasse, dem Kernbereich 2, zwischen Strelitzer- und Brunnen Strasse, sowie dem Erweiterten Breich, zwischen Brunnen Strasse und Mauerpark.
Im Kernbereich 1 der Gedenkstätte Berliner Mauer liegen das am 13. August 1998 eingeweihte Denkmal (Ecke Bernauer Strasse/Ackerstrasse), es vermittelt als einziger Ort in Berlin noch eine Anschauung von den Grenzanlagen, mit Vorderlandmauer, Kiesstreifen, Kolonnenweg, Lichttrasse und Hinterlandmauer.
Die Kapelle der Versöhnung am Ort der 1985 von den DDR-Grenztruppen gesprengten Versöhnungskirche, sowie das Dokumentationszentrum zur Geschichte der Berliner Mauer in der Bernauer Strasse 111, dem ehemaligen Gemeindehaus der Versöhnungsgemeinde und das zum 20. Jahrestag des Mauerfalls 1999 eingeweihte neue Besucherzentrum an der Bernauerstr. 119 (Ecke Gartenstr.), mit zentraler Information zur Gedenkstätte und Berliner Mauerorten, Grundinformationen zur Berliner Mauer, Informationsfilm, Seminarräumen, Buchstand.
Außerdem kann hierzu die Ausstellung Geisterbahnhöfe, zur Geschichte der unterirdischen Trennung der Verkehrssysteme der Stadt, im Eingangsbereich des S-Bahnhof Nordbahnhof (Eingang Gartenstr.) gezählt werden. Diese verschiedenen Orte, sind durch die originalen Reste der Berliner Mauer thematisch miteinander verbunden und bieten in jeweils eigener Form einen Zugang zur historischen Erfahrung der Mauer und ihrer Folgen.

Dokumentationszentrum / Besucherzentrum: April-Oktober Di.- So. 10-18 Uhr; November-März Di.- So. 10-17 Uhr; Eintritt frei
Außengelände durchgehend geöffnet, Führungen kostpflichtig in (dt., engl., franz., ital., portug., span.) nach Anmeldung, Tel. 030 - 464 10 30

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